Geysers del Tatio 08.08.2007
 
Kochende Fontänen in eiskalter Luft...
Schon früh am Morgen ging es los - Die Geysers von Tatio sind nämlich im Morgengrauen aktiv. So standen wir zähneknirschend und notgedrungen um 4 Uhr morgens auf, um dann erst einmal über sehr schlechte Pisten durch die mond- und sternenbeschienenen Anden zu fahren. Trotz der vielen zeitgleichen Touren konnten wir nur sehr selten ein anderes Auto sehen, dafür war es draußen düster und oft ging es nur Zentimeter neben uns und ohne Leitplanken etliche hundert Meter steil bergab, während am Himmel Millionen von Sternen leuchteten. 
Nach der endlos erscheinenden Tour waren wir dann endlich in 4300 Metern Höhe bei den Geysiren angekommen. In diese Höhe fällt das Atmen schon sichtlich schwerer, ein kleiner Spaziergang über 50 Meter strengt wegen des geringen Sauerstoffgehalts in der Luft ähnlich an wie ein halbstündiger Jogginglauf in Hamburg. Staunend und mit gebührendem Abstand (Im letzten Jahr gab es hier vier Unfälle mit vier Toten, die bei lebendigem Leibe gekocht wurden - weil sie trotz eindringlicher Warnungen der Führer unbedingt in die Löcher reingucken mussten, aus denen dann kurz darauf kochend heißes Wasser und Dampf kamen) betrachteten wir die Wasser- und Dampffontänen.
Obwohl wir nach bestem Wissen und Gewissen versucht hatten unsere Kleidung dem morgendlichen Höhenklima anzupassen gab es eine Schwachstelle in unserem Kälteschutz. Zwei T-Shirts, zwei Pullover und zwei Jacken pro Person sowie bei den Kindern je zwei Paar Strumphosen und zwei Paar Hosen sowie diverse Mützen, Handschuhe, Kapuzen, Tücher etc. hielten unsere Körper gut warm, auch wenn das Bewegen von derartigen Massen an Oberbekleidung sichtlich erschwert wird. Doch in die Schuhe passten einfach nicht mehr als drei Paar Socken und bei den Kindern zusätzlich zwei paar Strumpfhosen  hinein, was dazu führte dass die Füße der Kinder bei -14°C schnell durchgefroren waren und unter großem Gejammer im Bus warmgerubbelt werden mussten. Der Rest der Tourbesetzung vergnügte sich derweil mit einem ausgiebigen Frühstück vor dem Bus, von dem ich wenig abbekam und auch Frauke konnte die wenigen ausnahmsweise mit in den Bus gebrachten Lebensmittel in diesem Moment nicht würdigen. Sie wirft mir heute noch vor, sie hätte dort gar nichts vom Frühstück abbekommen, dabei opferte ich mich auf und brachte Kakao, Tee und Brote in den Bus, was in derartigen Höhenverhältnissen ganz schön anstrengt. Dass die Brote dann nicht gegessen wurden ist doch bitteschön nicht mir zuzurechnen.... ;-) 
Ich blieb dann noch ein Weilchen draußen, denn es ist schon faszinierend wie das Wasser dort kochend heiß aus dem Boden kommt, in kleinen Flüsschen an einem vorbeiläuft und wenige Meter weiter zu Eis erstarrt. Auch Frauke, Jona und Ronja wagten sich etwas später wieder nach draußen, inzwischen hatte die aufgehende Sonne die Temperaturen auf über 0°C angehoben.
Nachdem wir dann dem dampfenden Treiben eine Weile zugesehen hatten und uns über die Mutigen gewundert hatten, die es wagten sich in derartiger Eiseskälte zu entblättern um in einen warmen Thermalsee zu hüpfen ging es dann bergauf, bergab in ein klitzekleines Dorf der Anden-Ureinwohner. Dort waren die meisten Einwohner wohl gerade noch am schlafen, zumindest waren die Häuser verrammelt und wir bekamen insgesamt nur drei Indigenas zu Gesicht. Zwei von ihnen grillten Lamaspieße auf einem zum Holzkohlengrill umfunktionierten Ölfass. Wir erwarben denn auch sogleich ein Exemplar, um die kleingewerbliche heimische Fleischerzeugerbranche zu unterstützen - und natürlich auch um einmal Lama probiert zu haben. Sie waren essbar, aber meine Präferenz bleibt bei Rind und Pute. Ihr müsst also für das Wilkommensgrillen im Stadtpark nicht zwangsläufig Lamafleisch bei Famila vorbestellen ;-) 
Was in diesem Dorf überraschte war, dass alle traditionellen Lehmhütten auf der dem Besucher abgewandten Seite des Grasdaches mit dem obligatorischen Kreuz in der Mitte Solarpaneele installiert hatten. Elektrischen Strom gibt es hier also, und das auch noch umweltfreundlich von der Sonne. Ansonsten gab es noch ein herzallerliebstes kleines Kirchlein zu sehen, dass aber nur zu besonderen kirchlichen Festen geöffnet ist. Uns blieb also nur, es von außen zu bestaunen und ausgiebig auf Silizium zu bannen (dem verwunderten Leser sei hier gesagt, dass wir digital fotografieren, man also hier nicht mehr von Zelluloid sprechen kann.)
Auf der weiteren Fahrt bekamen wir dann noch einige Exemplare der heimischen Fauna in freier Wildbahn zu Gesicht, Füchse, Lamas, Kleingeflügel und diese komischen Kaninchen mit den langen Schwänzen... Ziemlich geschafft von der Höhenluft kamen wir am späten Mittag wieder in San Pedro an. Zumindest wissen wir jetzt, dass unsere Kinder höhentauglich sind, ihnen machte der geringe Sauerstoffgehalt sichtbar deutlich weniger zu schaffen als uns. Für den Notfall hatten wir natürlich schon vorher gefragt, ob Sauerstofflaschen an Bord des Kleinbusses wären. Ohne diese hätten wir nicht bei diesem Anbieter gebucht. Nötig waren sie allerdings während der gesamten Tour nicht.Indigenas.htmlIndigenas.htmlshapeimage_3_link_0shapeimage_3_link_1
Die Erde raucht...
...nein, richtig ist: Die Erde Dampft!
Wir stehen...
...und staunen...
...wie viele verschiedene Formen...
...das Wasser findet...
...um aus der Erde zu gelangen!
Määääähhh?
Nur zu besonderen Festen geöffnet... regelmäßiger Kirchgang leicht gemacht!
Von der Straße aus traditionell...
... und hinten auf den Dächern Solarzellen!
Dieses Karnickel mit dem komischen langen Schwanz ist kein Karnickel sondern ein Vizcacha!