So fing alles an...
Für ein Visum brauchten wir neben 4 gültigen Reisepässen (Jona dazu zu kriegen auf dem Foto mit ganz geradem Kopf in die Kamera zu blicken ist eine Geschichte für sich...) noch allerlei anderes. Einer meiner Tage sah so aus: Kinder in den Kindergarten bringen, Martin in Barmbek zur Übergabe seiner Visafotos am Fotoautomaten treffen, beim Arzt am Mühlenkamp die letzten ärztlichen Atteste abholen, in die Bachstraße, um die 4 Gesundheitsatteste beglaubigen zu lassen, mit dem ganzen Kram, außerdem noch 2 Ausbildungsbestätigungen, 2 polizeiliche Führungszeugnisse, den ausgefüllten Anträgen und den restlichen Fotos ab zum chilenischen Konsulat im Harvestehuder Weg. Dort dann der Schreck: Das Visum sollte unglaubliche Unsummen kosten, das stünde nur nicht mit auf der Liste, weil sich die Gebühren dafür so häufig (1x im Jahr) änderten. Dann kann man auch eigentlich vielleicht doch nach drei Monaten Aufenthalt in Chile einfach mal die Grenze nach Argentinien passieren, wieder einreisen und so sein Touristenvisum um drei weitere Monate verlängern... - NEIN! sagte Ulla, ihr sollt da in Chile keinen Stress haben, dann müsstet ihr in den sieben Monaten ja zwei Mal die Grenze überqueren!
Erst am Tage unserer Abreise waren dann die Visa fertig, vor‘m Losfliegen mussten wir dann noch dort vorbei, irre lange warten, 100 Fingerabdrücke nehmen, noch einmal alles Mögliche ausfüllen, das Geld auf einer in der Nähe liegenden Bank einzahlen, die Visa abholen!!! Juchuh! Das hätten wir dann wohl geschafft! ???
Pustekuchen!
In Santiago am Flughafen brauchten wir auch sehr viel länger, weil dort erst einmal alles geprüft werden musste, aber das sei nur so am Rande erwähnt, denn so richtig ging es erst los, als wir in Los Angeles unsere Visa bestätigen lassen wollten...
Dazu sollten wir zunächst mit je vier Passbildern (Jona - gerade in die Kamera gucken, nee, hier, nicht schief, nicht das Kinn so vorstrecken, ja so, NEIN, nicht zum Bildschirm gucken, in die Kamera!!!) zur Ausländerpolizei, alles ausfüllen bedeutet immer: Adressen, Namen, Namen der Ehepartner, Namen der Eltern, erklären, wie das mit den Familiennamen in Deutschland funktioniert, was es mit Bindestrichen im Namen und ö‘s auf sich hat, wieder alles Durchlesen, Geburtsdatum falsch, Jona ist ein Junge, kein Mädchen, bla, bla, bla... - Dann bekommen wir kleine Kärtchen, mit denen wir zum Zivilregister gehen müssen, um unseren Ausländerausweis beantragen zu können...
Lange Schlangen, alles ausfüllen, Kopien der Visa aus dem Reisepass, WIEDER FOTOS??? diesmal haben die Kameras vor Ort, sämtliche Namen noch einmal korrigieren, dann müssen die Fotos noch einmal gemacht werden, so alles richtig?, nein, SchrÖder, nicht Schroder! Fingerabdrücke nehmen, uärgs, das Abwaschzeugs stinkt entsetzlich - Jona nicht den Daumen in den Mund nehmen, halt ihm mal die Hand fest, wo ist hier denn ein Bad? Puh - geschafft, in zwei Wochen können wir die Pässe abholen!
Pustekuchen!
Nach einer Woche ein Anruf: Wir haben: „visa mala“! Die Visa sind schlecht? Das muss ich mir noch einmal erklären lassen... Es fehlt ein Stempel. Das chilenische Konsulat in Hamburg hat vergessen den Visa-Typ reinzustempeln! Und jetzt? Unsere Gasteltern scherzen: „Wir haben kein Problem damit, dass wir Illegale beherbergen: Wenn ihr ins Gefängnis kommt, können die Kinder gerne hier bleiben...!“
Nun, vielleicht kann die Ausländerabteilung das regeln. Nachdem die Ausländerabteilung wieder sämtliche Namen, sämtlicher Eltern, Eheleute und Kinder falsch geschrieben hat, sagt sie: Nein, tut uns Leid, können wir nicht, das geht nur in Santiago...!
Wie sollen wir mal so zwischendurch nach Santiago fahren?
Nach einigem Gerenne und Verzweiflungen findet sich eine Lösung: Die Freundin unserer Ansprechpartnerin kann für uns nach Santiago fahren, wir kriegen die Stempel!
Leider müssen wir jetzt noch einmal zur Ausländerpolizei, die hatten nämlich einen anderen Visa-Typ auf die kleinen Kärtchen eingetragen, als nun in unsere Reisepässe gestempelt wurde... „Wir brauchen wieder Passfotos...“ - versucht uns der Mann zu erklären, aber da reicht es uns endgültig. Warum hat er denn einen Visa-Typ auf das Kärtchen geschrieben, wenn gar kein Visa-Typ in unseren Visa vermerkt war, ist es dann unser Fehler? Das ist ein Heidenaufwand, Jona hält den Kopf nie gerade und es kostete uns auch jetzt schon viel zu viel!!! Hmm, hmmm, hmmmm, nach einigem Überlegen und viel Hin- und hergerede geht es auch so - Herrschaftszeiten!
Mit den neuen Kärtchen laufen wir dann wieder zum Zivilregister, wo wir nun wieder alle Papiere ausfüllen, verbessern und wieder verbessern, Fotos machen, Fingerabdrücke nehmen (Jona muss zum Glück keinen Daumenabdruck mehr abgeben...) und auf in zwei Wochen bestellt werden. Nach zwei Wochen will ich dann die Pässe abholen...
Pustekuchen!
„Wir konnten das nicht bearbeiten, weil die Kopien der neuen Visa aus dem Reisepass nicht vorlagen! Stimmt, die hatten sie gar nicht noch einmal haben wollen, nur im Reisepass nachgeschaut... Aber: warum haben sie denn dann nicht kurz angerufen und gesagt: Die Kopien brauchen wir übrigens doch noch einmal!? Weiß sie auch nicht... Ich schleppe also noch einmal die Kopien an. Sie will mich anrufen, wenn die Pässe fertig sind.
Eine Woche später: Der Anruf! „Die Pässe sind fertig!!!“
Ich gehe mit einem zweifelnden Gefühl im Bauch hin. Der Mann wühlt in einem Berg von Ausweisen und da kommt meiner auch schon zum Vorschein. Und Martins, Ronjas, Jonas! Juchuh! Nur noch schnell vergewissern, ob alles stimmt und jaaa--- ääääh NEIN! Martin heißt: Martin Hubertus Schröder-Rubarth, nicht: Martin Hubertus Schöder-Rubarth Schröder! Wir prüfen die Daten noch einmal im Computer, diesmal liegt der Fehler bei der Firma, die die Pässe herstellt, das Ganze muss noch einmal nach Santiago geschickt werden!
Mal sehen, nächste Woche, vielleicht, wahrscheinlich, wird auch Martin legal in diesem Land verweilen ;-)
F.