Mit meinem „jefe“ besuche ich viel die Ateliers der Künstler der Stadt. Mal davon abgesehen, dass er ständig Zeiten mit mir abspricht, die er nie einhält, plötzlich auf den Nachmittag verlegt, mich eine Stunde noch warten lässt oder sie ganz platzen lässt, bringt das viel Spaß! Es schmerzt mich immer zu sehen wie viele wirklich gute Künstler gibt, wie viele ganz tolle Bilder bei denen so rumstehen und ich genau weiß: Dafür gibt es gar nicht genug Wände...
Rasend macht mich aber vor allem der Weg zu den Ateliers. Es gibt da so eine Eigenart der „älteren“ Generation, dass die Frauen immer innen gehen müssen. Also wenn man um eine Ecke bieg den kleineren Weg laufen und nie zur Straße hin, sondern zur Hauswand. „Sonst bedeutet das, dass ich Dich verkaufen will! Eine Frauke zu verkaufen, gerade frisch aus Deutschland eingetrudelt...!“ Ansonsten ist der gar nicht strikt, aber bei diesem Thema kennt er keine Ausnahmen und so schob er mich am Anfang noch immer auf die richtige Seite, bis ich den Umfang dieser Regeln gänzlich kapiert hatte. Weil ich aber nie weiß, wohin wir eigentlich gehen, wo wir das nächste mal abbiegen und wo wir die Straße überqueren, husche ich von einer Seite zur anderen und komme mir ziemlich dämlich vor!!!
F.