Baustellenanekdote: Man hat schon einmal davon gehört: hombres trabajandos (arbeitende Männer) auf Baustellen, die Frauen hinterher pfeifen. Das ist nichts Neues und ich war auch darauf eingestellt, denn außerdem sind in Chile Frauen mit blonden Haaren und heller Haut das Schönheitsideal... - trotzdem ist es schon amüsant, weil wir jeden Morgen auf dem Weg zum Kindergarten an dieser Baustelle vorbeikommen, dort wird gerade ein Haus gebaut. Der Rückweg, ohne Kinder, wird stets interessanter. Es scheint ein Wettbewerb stattzufinden, wer am originellsten pfeift und am lautesten und seit heute ist keine Steigerung mehr möglich: Während die eine Hälfte der Arbeiter wie gewohnt auf der einen Seite das Haus anmalten und pfiffen, war die andere Hälfte damit beschäftigt Gräben in den Gehweg auf der anderen Seite zu graben, zu pfeifen und „que linda“ zu seufzen. Die andere Seite ließ sich nicht lumpen und fing an im Chor die Melodie von: „Besame, besame mucho“ zu pfeifen... - und ich musste mich zusammenreißen nicht laut los zu lachen - es war einfach zu absurd :D
Aufwärmübungen: Seit Montag probe ich zusammen mit einer Theatergruppe aus Los Angeles. Die Aufwärmübungen sind eine Herausforderung!!! Wir atmen ein - wir atmen aus. Dabei gibt es so ganz bekannte Übungen, wie Kniebeugen und ähnliches... So krabbelte und wuselte ich also dort herum, achtete auf meine Atmung, damit das später mit den Stimmübungen auch funktionieren konnte und bemerkte ein kleines Krabbeln und Wuseln zwei Millimeter von meiner Nase entfernt auf dem Fußboden... ich fokussierte und meine Freude war groß: meine kleinen Ameisen-Freunde übten auch mit, ein wenig geordneter natürlich, in geraden Straßen über den gefliesten Boden, aber ich musste ihnen zugestehen, sie waren da überall und sie sahen sehr emsig aus... na gut manche nicht, in einem Radius um mich herum gab es eine Menge Leichen...
Wäsche: Hier in Los Angeles sind wir leider nicht in der glücklichen Lage direkten Zugriff auf eine Waschmaschine zu haben. Unser erster Waschgang, mit einem Koffer und zwei Rucksäcken voll Schmutzwäsche kostete uns 20.000 Peso (ca. 30 Euro), brachte uns dafür aber einen Tag später in einem zweiten Gang, einen Koffer und zwei Rucksäcke voll sauberer, trockener und zusammengelegter Wäsche. Das wollten und vor allem konnten wir uns nun natürlich nicht immer leisten. Also kauften wir uns Handwaschmittel, wozu ist es in Chile denn sonnig und trocken und wozu hängt da diese wunderbare Leine im Garten? Ich schrubbte und wusch, bekam natürlich nicht wirklich jeden von Jonas Kakaoflecken heraus, aber es sah doch ganz ordentlich aus. Alles auf die Leine und abwarten... In den vier Wochen, die wir hier sind hatte es bisher nur einmal geregnet. Das zweite mal durchtränkte es unsere gesamte Wäsche, nachdem sie beinahe ganz getrocknet war....!!!
F.