Verspätung, einige Minuten sollten wir noch warten... Das sind wir ja inzwischen gewohnt. Ca. 45 Minuten verspätet trifft der Bus dann ein. Wir dürfen wider Erwarten aber nicht einsteigen, er fährt erst einmal leer wieder ab. Niemand gibt Auskunft, es gibt keine Entschuldigung, keine Erklärung, nur die Aufforderung, noch ca. 20 Minuten zu warten. Nach ca. eineinviertel Stunden Verspätung bekommen wir endlich - inoffiziell - erklärt, dass der Bus in der Werkstatt ist. Nach anderthalb stunden dürfen andere Fahrgäste, die in anderen, näher gelegenen Orten aussteigen wollten, die Fahrkarte zurückgeben, um bei einer anderen Gesellschaft zu buchen. Das macht natürlich Mut... Wir hingegen können nicht umbuchen, da heute keine andere Gesellschaft nach Punta Arenas abfährt.
Mit fast zweieinhalb Stunden Verspätung geht es dann los. An der argentinischen Grenze dann die nächste “Panne”. Leider hatte uns niemand informiert - weder im chilenischen Konsulat in Hamburg, noch unsere Ansprechpartner in Los Angeles, noch der Fahrkartenverkäufer in Puerto Montt - dass man bei der Grenzüberquerung im Bus als Ehepaar mit Kindern laut chilenischem Gesetz nicht nur die Reisepässe der Kinder, sondern auch die Heiratsurkunde sowie die Geburtsurkunden der Kinder mitführen muss. Wohlgemerkt: Nur wenn man im Bus die Grenze überqueren möchte. Dieses Gesetz gilt NICHT für Grenzüberquerungen im Flugzeug, Helikopter, Schiff, zu Fuß und wahrscheinlich nicht mal für selbige im eigenen Auto...
Hier zeigte sich der Busbegleiter (Die Reisebusse haben hier alle so eine Art “Stewardess”, eigentlich immer kleingewachsen und männlich) äußerst hilfreich bei den Verhandlungen mit den chilenischen Grenzposten, die uns im Übrigen sagten, dass wir gerne mit den Kindern ausreisen könnten, nur bei der Wiedereinreise gäbe es höchstwahrscheinlich Probleme. Wenn dieses Gesetz gegen den Kinderhandel gemacht ist, dann ist es eine einzige große Lücke... Wenn nicht, dann frage ich mich, warum es überhaupt existiert.
Nun ja, diese Panne ist auch überwunden, wir befinden uns in Argentinien, die Vorhänge des Busses sind verschlossen und die Hälfte der Fahrgäste schläft bereits, als es plötzlich laut kracht und knirscht. Der Bus bleibt stehen, mitten im Schnee der argentinischen Anden. Der Busfahrer und der Bergleiter diskutieren dann kurz, um dann mit der Taschenlampe den Bus von außen ausgiebig zu untersuchen. Nach ca. 15 Minuten stiegen sie wieder ein und dann fuhren wir langsam weiter. Auf unser mehrfaches, am Ende penetrantes Fragen was denn geschehen sei gab es aber keine Antwort. Im Vergleich dazu ist die “Deutsche Bahn AG” ja geradezu geschwätzig in solchen Belangen...
Nun ja, ich wachte dann mitten in der Nacht davon auf, dass wir anhielten. Eine Tankstelle. Hier fuhr der Bus über eine Grube, wo er von einem wohl eilig aus dem nächtlichen Schlaf geklingelten Mechaniker lange und ausgiebig von unten untersucht wurde. Was der dort fand und eventuell behoben hatte blieb im Dunkeln. Leider war ich noch nicht wach genug, um schnell genug die Kamera greifen zu können. Aufgrund meiner schlafbedingten Trägheit ist hier leider kein Bild vom Bus über der Grube zu sehen.
Die Reisegäste jedenfalls durften diese Pause nutzen, um auf einer Toilette ohne Wasser (weder in der Spülung noch am Waschbecken) ihr Geschäft - sei es nun klein oder groß gewesen - zu verrichten. Die Toilettentür im Bus wurde nämlich regelmäßig wegen Überfüllung des Chemieklos versperrt - jedenfalls vermute ich dies bis auf weiteres noch immer, denn Auskünfte gab es ja selbst auf Nachfragen nimmer... “Kein Kommentar” hieß es immer. Oder “Warten Sie noch ein Weilchen”.
Bei der Wiedereinfahrt nach Chile bat uns der Busbegleiter, nur unsere chilenischen Personalausweise vorzuzeigen, da bei Chilenen oft nicht nach den Geburtsurkunden gefragt wird, bei Ausländern hingegen immer. Und siehe da, es klappte ohne Probleme.
Während der gesamten Fahrt wurden gewaltgeladene Actionfilme abwechselnd mit Kinderfilmen gezeigt. Aber das ist hier auch bei den anderen Busgesellschaften üblich. Man nimmt auf zartbesaitete Kinderseelen bei der Filmauswahl an Bord der Busse nicht unbedingt Rücksicht, so dass wir Ronja und Jona jedes Mal mit mehr oder weniger Erfolg vom Geschehen auf den Monitoren ablenken mussten. Außerdem kam es mir so vor, als ob die Filmauswahl eher aus dem Internet denn aus legalen Quellen stammte. Es erschienen z.B. Hinweise, dass diese Filmkopie nur für “mich” zur Voransicht bestimmt und mit digitalem Wasserzeichen geschützt sei. Ich dürfe sie niemandem zeigen, da der Film noch nicht veröffentlicht sei, erklärte besagte Schrift. Die dilettantisch gestalteten DVD-Menüs und die Aktualität der Filme (Hatte ich Fluch der Karibik 3 nicht erst vor einer Woche in Los Angeles im Kino gesehen?) erhärteten diese Vermutung.
Zu Pullmans Verteidigung sei gesagt, dass wir seitdem noch zweimal mit Pullman gefahren sind und es bis auf die Pullman’sche Standardverspätung, die auch beim Weglassen des ersten “Ausreißers” noch über der der Mitbewerber zu liegen scheint, keine nennenswerten Probleme oder Unannehmlichkeiten gab.