Punta Arenas
Auf der Fahrt durch die argentinische Pampa wird es draußen teilweise so kalt, dass Eisblumen am Fenster des gut geheizten Busses wachsen. 







Wenn man mal rausschauen kann, dann sieht man quasi immer die gleiche Landschaft. Stundenlang fährt der Bus durch flaches Land ohne Hügel, Bäume oder Gestrüpp. Nur Grasbüschel und ab und zu mal ein zugefrorener Fluß. Alles absolut Plan. Der Horizont liegt so weit weg wie sonst nur an der See.












Horizont, soweit das Auge reicht... Und jetzt? Sind wir jetzt auf... Feuerland? Nein, noch nicht ganz. Aber nah’ dran sind wir schon ;-). Die Sonnenuntergänge in Patagonien sind trotzdem schön.

Der “Sandige Punkt”, wie Punta Arenas wörtlich übersetzt heißt ist - wenn man nur das Festland betrachtet - die südlichste Stadt der Welt. Wir kamen hier nach unserer Pannenfahrt mit 6 1/2 Stunden Verspätung an.  Vom Sand war nicht viel zu sehen, dafür dunkelte es bereits. Also flugs mit dem “Taxi” zum gebuchten Domizil. Trotz Fraukes in Puerto Montt ob der vorhersehbaren Verspätung noch am Busbahnhof abgesendeten e-Post mit der Nachricht, dass unser Bus einige Verspätung habe - wir aber auf jeden Fall kämen, hatte die Hostalbesitzerin unser gebuchtes Zimmer bereits anderweitig vergeben. Nachdem sie uns zuerst an ein mehrere Block weiter gelegenes Hostal vermitteln wollte konnten wir ihr zum Glück dann doch noch deutlich machen, dass wir keine Lust verspürten schon wieder ein Taxi zu rufen, nochmals Geld dafür auszugeben und das Gepäck erneut ein- und wieder auszuladen. Daraufhin schlug sie uns eine Unterkunft in einer Herberge direkt gegenüber vor, in der auch noch ein Zimmer frei war. Dieses fiel in die Kategorie “dreckig, aber billig”. Dass wir hier länger bleiben sollten war zuerst so nicht vorgesehen.
Die Stadt war bei weitem nicht so kalt wie erwartet - dafür dass sie so nah am Südpol liegt hatten wir mehr als das bisschen Eis auf den Straßen erwartet. Es war eher typisch hamburgisches Winterwetter, mit Temperaturen die nur Nachts knapp unter 0°C fielen.
Als erstes schauten wir uns ausgiebig die Magellanstraße an. 










Wenn man schon mal hier ist, dann will man die ja auch mal gesehen haben. Auch Feuerland liegt in Sichtweite. 
Als nächstes ging es dann zu einer “Estancia”, eine Art Bauernhof nur mit wesentlich mehr Land, auf dem die heimische Fauna zu bewundern war. So sahen wir auf der “Estancia Lolita” Lamas, Alpacas, Guanacos, Schafe, Nandus, Pumas, diverses heimisches Kleingeflügel und einen Hasen, der sich aufs Eislaufen verstand.













Unser nächster Ausflug führte uns etwas weiter weg: Um 4 Uhr morgens machten wir uns zusammen mit einem chilenischen Pärchen und einem Führer im Kleinbus auf den Weg in den Nationalpark 


Torres del Paine


Dabei hatten sowohl das chilenische Paar wie auch wir großes Glück, denn im Winter gibt es so wenige Touristen, dass viele Touren mangels Interesses ausfallen. 
Zuletzt schauten wir uns dann noch die Freihandelszone “Zona Franca” an, in der Importwaren für den Privatgebrauch ohne die sonst fälligen Zölle erworben werden können. Hier kommt der Durchschnittschilene günstig an Elektronik, Krimskrams, Spielwaren, Essbares, Badausstattung und Autos. Bei den dort erstandenen Autos gibt es allerdings eine Besonderheit: Sie besitzen ein Nummernschild mit roten statt den sonst in Chile üblichen schwarzen Lettern und die Besitzer müssen mit dem Fahrzeug alle drei Monate erneut in die “Zona Franca” fahren und sich dort melden.
Die Kinder freuten sich übrigens jedes Mal über die Rückkehr in unser dreckiges Domizil, da unsere Zimmernachbarin einen kleinen Hund besaß, der ausgiebig von unseren Kindern bespielt wurde.









Auf der Rückfahrt, die uns diesmal von Punta Arenas nach Osorno führte, gab es an der Grenze einen Zwischenfall ganz anderer Art: Es wurden die Schneeketten angelegt. Uns wurde das natürlich wieder mal nicht mitgeteilt, obwohl wir fragten was denn da jetzt so klötere, scheppere und Krach mache und ob der Bus etwa wieder defekt sei. Es war nämlich der Gleiche wie auf der Hinfahrt, sogar mit dem gleichen Busbegleiter. Erst als es dann wirklich nicht mehr weiterging, weil mehrere Lastwagen auf der Straße quer standen stieg ich aus, um die Szenerie zu fotografieren und verifizierte dabei meine Theorie mit den Schneeketten, die sich als zutreffend erwies. Der “Stau” löste sich nur seeeehr langsam, so dass wir auch auf dieser Strecke wieder eine mehrstündige Verspätung einfuhren.
In Osorno hatten wir dann die vielleicht merkwürdigste Herberge dieser Reise....
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Die Pullmann Pannentour... 
Jetzt aber schnell auf nach Punta Arenas. Dachten wir zumindest. Doch wir hatten uns - zum ersten Mal - für das Busunternehmen Pullmann Buses Sur entschieden. Was das bedeutete merkten wir dann am Reisetag am Puerto-Montt’schen Busbahnhof. Nachdem der Bus 30 Minuten nach dem geplanten Abfahrtstermin immer noch nicht eingetroffen war fragte Frauke mutig am Verkaufsschalter nach.
Punta Arenas 12.07.-18.07.2007
Verspätung, einige Minuten sollten wir noch warten... Das sind wir ja inzwischen gewohnt. Ca. 45 Minuten verspätet trifft der Bus dann ein. Wir dürfen wider Erwarten aber nicht einsteigen, er fährt erst einmal leer wieder ab. Niemand gibt Auskunft, es gibt keine Entschuldigung, keine Erklärung, nur die Aufforderung, noch ca. 20 Minuten zu warten. Nach ca. eineinviertel Stunden Verspätung bekommen wir endlich - inoffiziell - erklärt, dass der Bus in der Werkstatt ist. Nach anderthalb stunden dürfen andere Fahrgäste, die in anderen, näher gelegenen Orten aussteigen wollten, die Fahrkarte zurückgeben, um bei einer anderen Gesellschaft zu buchen. Das macht natürlich Mut... Wir hingegen können nicht umbuchen, da heute keine andere Gesellschaft nach Punta Arenas abfährt.
Mit fast zweieinhalb Stunden Verspätung geht es dann los. An der argentinischen Grenze dann die nächste “Panne”. Leider hatte uns niemand informiert - weder im chilenischen Konsulat in Hamburg, noch unsere Ansprechpartner in Los Angeles, noch der Fahrkartenverkäufer in Puerto Montt - dass man bei der Grenzüberquerung im Bus als Ehepaar mit Kindern laut chilenischem Gesetz nicht nur die Reisepässe der Kinder, sondern auch die Heiratsurkunde sowie die Geburtsurkunden der Kinder mitführen muss. Wohlgemerkt: Nur wenn man im Bus  die Grenze überqueren möchte. Dieses Gesetz gilt NICHT für Grenzüberquerungen im Flugzeug, Helikopter, Schiff, zu Fuß und wahrscheinlich nicht mal für selbige im eigenen Auto...
Hier zeigte sich der Busbegleiter (Die Reisebusse haben hier alle so eine Art “Stewardess”, eigentlich immer kleingewachsen und männlich) äußerst hilfreich bei den Verhandlungen mit den chilenischen Grenzposten, die uns im Übrigen sagten, dass wir gerne mit den Kindern ausreisen könnten, nur bei der Wiedereinreise gäbe es höchstwahrscheinlich Probleme. Wenn dieses Gesetz gegen den Kinderhandel gemacht ist, dann ist es eine einzige große Lücke... Wenn nicht, dann frage ich mich, warum es überhaupt existiert.
Nun ja, diese Panne ist auch überwunden, wir befinden uns in Argentinien, die Vorhänge des Busses sind verschlossen und die Hälfte der Fahrgäste schläft bereits, als es plötzlich laut kracht und knirscht. Der Bus bleibt stehen, mitten im Schnee der argentinischen Anden. Der Busfahrer und der Bergleiter diskutieren dann kurz, um dann mit der Taschenlampe den Bus von außen ausgiebig zu untersuchen. Nach ca. 15 Minuten stiegen sie wieder ein und dann fuhren wir langsam weiter. Auf unser mehrfaches, am Ende penetrantes Fragen was denn geschehen sei gab es aber keine Antwort. Im Vergleich dazu ist die “Deutsche Bahn AG” ja geradezu geschwätzig in solchen Belangen...
Nun ja, ich wachte dann mitten in der Nacht davon auf, dass wir anhielten. Eine Tankstelle. Hier fuhr der Bus über eine Grube, wo er von einem wohl eilig aus dem nächtlichen Schlaf geklingelten Mechaniker lange und ausgiebig von unten untersucht wurde. Was der dort fand und eventuell behoben hatte blieb im Dunkeln. Leider war ich noch nicht wach genug, um schnell genug die Kamera greifen zu können. Aufgrund meiner schlafbedingten Trägheit ist hier leider kein Bild vom Bus über der Grube zu sehen.
Die Reisegäste jedenfalls durften diese Pause nutzen, um auf einer Toilette ohne Wasser (weder in der Spülung noch am Waschbecken) ihr Geschäft - sei es nun klein oder groß gewesen - zu verrichten. Die Toilettentür im Bus wurde nämlich regelmäßig wegen Überfüllung des Chemieklos versperrt - jedenfalls vermute ich dies bis auf weiteres noch immer, denn Auskünfte gab es ja selbst auf Nachfragen nimmer... “Kein Kommentar” hieß es immer. Oder “Warten Sie noch ein Weilchen”.
Bei der Wiedereinfahrt nach Chile bat uns der Busbegleiter, nur unsere chilenischen Personalausweise vorzuzeigen, da bei Chilenen oft nicht nach den Geburtsurkunden gefragt wird, bei Ausländern hingegen immer. Und siehe da, es klappte ohne Probleme.
Während der gesamten Fahrt wurden gewaltgeladene Actionfilme abwechselnd mit Kinderfilmen gezeigt. Aber das ist hier auch bei den anderen Busgesellschaften üblich. Man nimmt auf zartbesaitete Kinderseelen bei der Filmauswahl an Bord der Busse nicht unbedingt Rücksicht, so dass wir Ronja und Jona jedes Mal mit mehr oder weniger Erfolg vom Geschehen auf den Monitoren ablenken mussten. Außerdem kam es mir so vor, als ob die Filmauswahl eher aus dem Internet denn aus legalen Quellen stammte. Es erschienen z.B. Hinweise, dass diese Filmkopie nur für “mich” zur Voransicht bestimmt und mit digitalem Wasserzeichen geschützt sei. Ich dürfe sie niemandem zeigen, da der Film noch nicht veröffentlicht sei, erklärte besagte Schrift. Die dilettantisch gestalteten DVD-Menüs und die Aktualität der Filme (Hatte ich Fluch der Karibik 3 nicht erst vor einer Woche in Los Angeles im Kino gesehen?) erhärteten diese Vermutung.
Zu Pullmans Verteidigung sei gesagt, dass wir seitdem noch zweimal mit Pullman gefahren sind und es bis auf die Pullman’sche Standardverspätung, die auch beim Weglassen des ersten “Ausreißers” noch über der der Mitbewerber zu liegen scheint, keine nennenswerten Probleme oder Unannehmlichkeiten gab.
M. M.