Am Wochenende mal ‘raus aus der Kleinstadt und sich in das touristische Leben stürzen - so war dieses Wochenende zumindest anfangs geplant. Auch zwei der mitreisenden Studentinnen, Michaela und Julia, sind mit von der Partie.
Nach der langen Fahrt ist es dämmerig, und obwohl die Kinder ob guten Schlafes während der Busfahrt noch nicht müde sind entscheiden wir uns, eine der im Reiseführer beschriebenen preisgünstigen Unterkünfte aufzusuchen. Wir entscheiden uns aus logischen Gründen für das Hostal (Herberge) mit den etwas dunklen aber sauberen Zimmern mit Kabelfernsehen und gegen die Unterkunft mit hellen, großen Zimmern, aber ohne Kabelfernsehen. Was soll man auch in der Nacht mit hellen und großen Zimmern anfangen? Kabelfernsehen verspricht aber Discovery Kids, den von Ronja und Jona heißgeliebten Fernsehsender mit >Bob dem Baumeister<, >Jim de la Luna< und anderen Weggefährten hiesiger vom Fernseher erzogener Kinder, der bei uns “zu Hause” in Los Angeles zurzeit leider - zusammen mit der Hälfte der Programme - das Fernsehkabel auf unbestimmte Zeit verlassen hat.
Nach kurzer Wanderung gelangen wir an die mit einer Gittertür verschlossene Einfahrt, hinter der der Eingang zum Hostal liegt. Ein anderer zufällig vorbeikommender Gast sieht unsere verdutzten Gesichter und hilft, indem er mit einem beherzten Griff durchs Gitter den weit im Eingang verborgenen Klingelknopf betätigt, und tatsächlich, uns (und ihm) wird geöffnet. Wir buchen ein Doppelzimmer beim leicht lispelnden und etwas merkwürdigen Portier, und wie immer übernachten die Kinder gratis wenn sie kein eigenes Bett belegen. (Mit den Plätzen in den Bussen läuft es übrigens genauso.)
Unsere Zimmer sind tatsächlich alt und abgewohnt, aber sauber und mit frisch gewaschener Bettwäsche und Handtüchern ausgestattet. Ronja möchte die Unterkunft jedoch am liebsten gleich wieder verlassen. Ein wenig später stellt sich auch der Grund dafür heraus: Es macht ihr Angst, dass sich die Farbe in großen Placken von der Decke löst und herunterhängt - die typische Angst der Germanen, dass ihnen der “Himmel” auf den Kopf fällt! (Oder waren das doch die Gallier?). Ronjas Befürchtungen zum Trotz schlafen wir nach ausgiebigem Picknick mit Julia und Michaela auf dem Zimmer alle gut, auch wenn es im “Familienbett” zu viert doch ganz schön eng wird.
Auch der Laden der “Cooperación de las Mujeres”, einer Frauengemeinschaft die sich mit allerlei Kunsthandwerk etwas zum kargen Familieneinkommen hinzuverdient, ist einen Besuch wert - klein aber oho... Für Jona wird dort, nachdem Frauke die Kinder aus dem Laden (ab-)gelenkt hat, flugs ein Geburtstagsgeschenk gekauft - Ein hölzernes Vikingerschiff mit Figuren, hier exklusiv als Foto - Aber bitte dem Jona nichts verraten ;-).
Jona und Ronja dürfen vor der Abfahrt noch schnell auf einem Lama reiten und zumindest eine kleine Randbemerkung sind auch die antiken Ampelanlagen der Stadt und das Kabelchaos im Städtischen Luftraum wert, welches selbiges in Los Angeles noch bei weitem übertrifft.
Martin und Julia kaufen noch schnell Proviant, während Frauke, Michaela, Ronja und Jona schon mal den Bus aufhalten - Der Busfahrer ist über die dreiminütige Verspätung nicht eben erfreut. Wir befinden uns eben doch im “Preussen Südamerikas” ;-)
Die Ankunft in Pucón lässt sich schon eine halbe Stunde vor der Einfahrt in den Busbahnhof erahnen. Überall werden Feriendomizile feilgeboten, Pferde für Touren angeboten, befinden sich bessere Restaurants und Restaurants, die man besser nicht besucht am Straßenrand. Die Straßen sind besser gepflastert als in den bisher besuchten Orten, die Häuser sehen gepflegter aus und die Supermärkte begrüßen einen mit Schildern in fünf Sprachen, deutsch inklusive.
Irgendwann stellt der Fahrer das Fahrzeug ab und meint, wir wären da. Nach einigen suchenden Blicken können wir dann auch das Aussiedlerhaus der Familie im Wald erkennen und werden von drei Kindern im Alter von 11 bis 17, drei ziemlich wilden, ziemlich großen Hunden und der Dame des Hauses begrüßt, die uns in die Unterkunft für die nächsten zwei Nächte führt.
Die Cabaña ist, wie von den beiden Mainzer Studenten beschrieben, sehr einfach, rustikal, aber gemütlich. Zum heizen muss man den Ofen anschmeißen und das warme Wasser für’s duschen und die Küche wird mit einer Gastherme erzeugt, deren Gasquelle, eine bauchige Stahlflasche etwa in Jonas Größe aber mit dem dreifachen Bauchumfang, direkt neben der Dusche steht. Zum duschen müssen wir erst dort das Ventil öffnen und dann mit dem Streichholz die Gastherme entzünden. Nichts mit “automatisch”. Wenigstens funktioniert das ganze dann wie ein Durchlauferhitzer, so dass man vor dem duschen nicht warten muss...
Im Laufe des Abends fällt uns eine weitere Besonderheit auf. Zuerst schiebt es jeder für sich auf die Müdigkeit, bis dann, nach einem nicht zu übersehenden Flackern aufgrund eines Spannungseinbruchs in der Stromleitung einer / eine fragt: “Sag mal, flackert das Licht, oder bin ich nur müde?” - Ja, das Licht flackert wirklich, wird fast unmerklich langsam dunkler, um dann im nächsten Moment wieder sehr hell aufzuleuchten, wird dann langsam wieder dunkler bis man denkt mit den Augen sei etwas nicht in Ordnung, weil man nichts mehr so gut sieht wie vor einer halben Minute noch. Später am Abend erfahren wir dann auch warum: Der Strom wird durch eine selbst zusammengeschweißte Turbine mittels Wasserkraft im nächsten Bach erzeugt.
Der Abendbrotstisch wird sobald mit den Lebensmitteln bestückt, für die der Busfahrer in Temuco so “lange” warten musste, wobei uns auffällt, dass wir zu wenig eingekauft haben - wir hatten ja nicht geplant uns 5 1/2 Stunden Fußmarsch von der nächsten Einkaufsgelegenheit einzumieten... Somit reichen unsere Vorräte nur für dieses abendliche Mahl und das Frühstück am nächsten Tag... Doch darüber machen wir uns erstmal keine Sorgen, schließlich kann man ja notfalls Wurzeln und Beeren essen.
Die Familie ist gerade vor dem Fernseher versammelt und schaut einen Film. Der Vater fragt manchmal seine Kinder nach der Bedeutung des gerade gesagten. Das macht mir Hoffnung, denn wenn jemand schon seit zwanzig Jahren hier lebt und immer noch nicht alles versteht, dann mache ich wohl vorerst nichts verkehrt.
Nachdem der Film zu Ende ist bekommen wir neben guten Ratschlägen für die Aktivitäten des morgigen Tages auch noch einiges über die Geschichte der Familie erzählt. Die Eltern sind gelernte Physiotherapeuten und vor zwanzig Jahren ausgewandert, haben in Chile ihre Kinder bekommen und großgezogen. Mit ein bisschen Glück konnten sie damals für zehntausend Mark sechzig Hektar Land kaufen, das sind 0,6 km². Mit eigenem Vulkan, Bächen, Bergen, Urwald, Feldweg und Nachbarn, zu denen man etwa vierzig Minuten Fußweg hat. Mit dem gelernten Beruf hat das alles natürlich herzlich wenig zu tun.
Dann haben sie dort alles selbst gebaut, Wohnhaus, drei Ferienhütten, Ställe, zwei Wohnhäuser für die Helfer, Stromversorgung, Zufahrt etc..
Wir erfahren außerdem noch, dass es die Möglichkeit gibt, vor Ort bei der Familie zu Essen. Aufatmen: Gerettet! Es gibt also doch keine Wurzeln und Beeren, keine Würmer und selbsterlegtes Kleinwild zu den nächstem Mahlzeiten. Müde, aber beeindruckt gehen wir durch die Finsternis auf unser erleuchtetes Fensterchen zu. Da wir den Weg jetzt bereits einmal gegangen sind, kommt er uns gar nicht mehr so lang vor.
Die Nacht wird für Martin und Frauke zwar warm, aber zappelig, da Ronja und Jona aus Kostengründen wieder mal mit im Doppelbett schlafen. Michaela und Julia hingegen beklagen sich am nächsten Morgen darüber, dass die Nacht kalt gewesen sei. Der Ofen ist über Nacht ausgegangen. Es bleibt dem geneigten Leser überlassen zu entscheiden welcher dieser beiden Möglichkeiten er den Vorzug gäbe.
Am nächsten Morgen werden wir von den Katzen geweckt. Gut erholt, ausgeschlafen und gestärkt von unseren letzten Vorräten planen wir den Tag. Ronja möchte dann noch Pferde suchen. Auf dem Weg kommen wir an zahlreichen Hundewelpen vorbei, die auch noch ausgiebig geknuddelt werden müssen. Ronja ist zuerst erschreckt, als eines der Babys sie ins Hosenbein zwickt und beginnt, daran zu zerren, kann aber schnell davon überzeugt werden, dass das Hündchen - ungefähr so groß wie zwei Packungen Milch - nur spielen will und (zumindest noch...) keine Gefahr darstellt. Insgesamt sind es sechs junge Hunde, die Hälfte davon hellbeige, die andere schwarzbraun.
Ronja stellt nebenbei fest, dass Karotten ihr doch schmecken - zumindest frisch aus dem Gemüsebeet gezogen. Die Welpen sind nämlich im umzäunten Gemüsebeet untergebracht. Da hat Ronja doch tatsächlich etwas mit der Hundemutter gemeinsam, gegen die sie ihre Karotte verteidigen muss. Und diese ist nicht nur unwesentlich größer als ihre Sprösslinge - sie ist auf gleicher Nasenhöhe mit Jona - sie weiß es auch auszunutzen: Sowohl Ronja als auch Jona werden mehrmals quer über das Gesicht geschleckt!
Hier sammeln wir auch die Hausherrin auf, um mit ihr zusammen pferdegucken zu gehen. Die Kinder dürfen jeder noch eine große Runde auf dem Rücken einer gutmütigen alten Pferdedame drehen, die eigentlich nur noch ihr Rentnerleben genießt. Wohl auch für das Pferd mal wieder eine willkommene Abwechslung. Außerdem gibt es noch einen Stall mit Hühnern und aus dem Mund der Dame des Hauses Geschichten vom Fuchs, der ab und an vorbeikommt um eines der Hühner zu klauen. Auch die Hühner haben gerade Kücken, ganz kleine in gelb und etwas größere, die schon ihre endgültige Farbe - braun weiß - aber noch nicht ihre volle Größe angenommen haben.
Zwischendurch tauchen immer wieder Katzen - Sowohl ausgewachsene als auch ganz kleine - in verschiedenen Größen, Farben und mit unterschiedlichen Felllängen auf, die ebenfalls ausgiebig geherzt werden.
Gegen Mittag sind wir zurück in unserer Cabaña und packen unsere Badesachen für den geplanten Besuch der Therme zusammen, während Ronja und Jona sich mit dem neuen Medium “Urwald” bekannt machen. Martin hatte natürlich am Abend vorher noch in Erfahrung gebracht, dass es hier keine gefährlichen Tiere oder Pflanzen gibt. Ein gefährliches Tier hatte unsere Wirtin dann aber wohl doch vergessen zu erwähnen. Zumindest Ronja wird die schmerzhafte Begegnung wohl noch längere Zeit in Erinnerung behalten, ist sie doch noch drei Tage später durch einen schmerzenden Daumen daran erinnert worden. Wie sie zu ihrem schmerzenden Daumen kam? Die Geschichte fängt damit an, dass Ronja Blätter von einem Busch pflückt. Auf einem der Blätter findet sie eine “tote” Wespe, zumindest erzählt sie kurz darauf unter Tränen, dass sie von einer “toten Wespe” gestochen worden sei. Die war aber wohl vor dem Zusammentreffen mit Ronja noch sehr lebendig. Da sie beim Stich allerdings ihren Stachel in Ronjas Daumen ließ ist sie es jetzt wohl nicht mehr. Beim eigenhändigen Entfernen des Stachels drückt Ronja wohl auf die noch zuckende Giftblase, so dass sich deren gesamter Inhalt in den Stich entleert und dieser noch Tage später zu spüren ist. Nun gut, erstmal ist an den geplanten Besuch der Therme nicht zu denken.
Nach einem Besuch bei unserer Wirtin, bei dem wir für Ronja eine selbstgezogene Zwiebel zum Lindern der Beschwerden abstauben können, willigt Ronja nach langen Überredungskünsten doch ein, jetzt zur Therme aufzubrechen. Allerdings wird sie abwechselnd getragen, woraufhin Jona, der ebenfalls gerne den ganzen Weg getragen werden will, laut protestierend auch auf den Arm möchte. Schließlich einigt sich Frauke mit ihm, dass er im Schatten selbst läuft und auf den sonnigen Teilen des Weges getragen wird. Etwa eineinhalb Stunden und neuneinhalb Paare abgefallene Papa-Arme (so leicht ist Ronja dann doch nicht) später kommen wir dann wirklich an den Thermen von Palquin an.
Wir sind hungrig von der langen Wanderung und entscheiden uns, zuerst eine Gelegenheit zum Essen zu suchen. Bei vier Häusern eigentlich kein Problem, sollte man meinen, aber keines trägt eine eindeutige Beschilderung. So fragt Frauke im Kassenhäuschen der Therme eine halb taube, über 80 jährige Frau “¿Donde esta possible comer alguien?”. Sie muss es zweimal wiederholen, bis die Frau etwa soviel mitbekommen hat, dass wir etwas essen wollen. Beim herausgehen fangen wir an zu lachen: “Frauke, hast Du gerade wirklich gefragt, wo wir jemanden essen können?” Ob es der kannibalistische Urinstinkt war oder einfach nur ein Versprecher haben wir Frauke bis heute nicht entlocken können, aber sie hatte doch tatsächlich algo (etwas) mit alguien (jemanden) verwechselt.
Das Essen in der Gaststätte schmeckt unerwartet gut, bestand aber, soweit ich es beurteilen kann, nicht aus Menschenfleisch. Dafür bekommen wir den ersten Kartoffelbrei, der nach Kartoffelbrei schmeckte und lecker gewürztes Fleisch. Ein wenig später erfahren wir dann von der sehr chilenisch aussehenden Bedienung in einigermaßen gutem Deutsch dann auch warum: Sie ist die Enkelin der deutschstämmigen Besitzer der Therme und der umliegenden Hotel- und Gaststättenanlage, eines Familienbetriebes. Das Essen ist also “gute deutsche Hausmannskost”. Der über 80 Jahre alte Besitzer freut sich dann beim kassieren des Eintrittsgeldes dann auch sichtlich, einmal wieder Gäste in seiner Muttersprache - einem etwas altertümlichen, aber gut verständlichen Deutsch - begrüßen zu dürfen. Nebenbei erfahren wir, dass die alte Dame, die von Frauke nach Jemand essbarem gefragt wurde - wenn überhaupt noch etwas - dann besser deutsch als Spanisch versteht. Zudem besteht der alte Mann nachdrücklich und mehrmals darauf, daß wir unsere Vermieterfamilie doch herzlich grüßen sollen.
Die Thermenanlage ist, wie uns schon vorher von den Aussiedlern angekündigt, etwa auf dem Stand der 60er oder 70er Jahre stehen geblieben und dementsprechend nicht gerade die hübscheste, aber gepflegt. Und es ist eine Wohltat, einmal wieder in nicht gechlortem Wasser zu baden, das noch dazu von der Natur auf eine sehr angenehm warme Temperatur gebracht wird. Es durchläuft von der Quelle kommend zwei im 60er-Jahre-Chic himmelblau-hübsch gestrichene Betonbecken und fließt von dort in einen Bach ab, wird also ständig auf natürlichem Wege erneuert so dass sich immer frisches Wasser in den Becken befindet.
Nach dem Baden machen wir uns flugs auf den Heimweg, da der Hinweg bergab eineinhalb Stunden gedauert hatte und wir, sofern wir noch bei Tageslicht unser Domizil erreichen wollen, für den Rückweg nur noch eine Stunde Zeit haben. Und diesmal geht es bergauf, mit müden Kindern. Und hier im Urwald am Fuße der Anden ist es, wie bereits an früherer Stelle erwähnt, des nachts wirklich stockdunkel.
Ronja hat während des Badens ihren Wespenstich am Finger fast vergessen, zumindest erwähnt sie ihn nicht mehr alle zwei bis drei Minuten. Stattdessen ist ihr im Moment der Ernst der Lage bewusst: Nachdem Martin mit Knieschaden (Der Arzt sagte einmal Überlastungserscheinung dazu, Martin ist diese hinlänglich bekannt...) als Träger ausgeschieden ist, und auch Michaela und Julia ermüdet sind, stiefelt Ronja tapfer bravurös ein ganzes Stück Weges in einer für ihre kleinen Beine atemberaubenden Geschwindigkeit. Sie hat wohl noch die Dunkelheit der letzten Nacht vor Augen und möchte nicht ganz ohne Kerzen oder den Lichtschein des Hauses irgendwo mitten im stockdunklen Wald sein. So kommen wir mit dem letzten Quäntchen Tageslicht zuhause an.
Für diesen Abend haben wir uns bei der Vermieterin ein Abendessen bestellt, der Service kommt uns nun ganz gelegen, da wir ja zu wenige Lebensmittel eingeplant hatten. Auch zum Essen kommen wir nun gerade noch rechtzeitig an. Und - absurd, wie hier in Chile so manches ist - stehen hier, wo man es ob des leckeren, gut gewürzten Essens nicht braucht, Pfeffer- und Salzstreuer auf dem Tisch. In den typischen chilenischen Lokalen, wo man sich diese des Öfteren wünscht, sucht man regelmäßig vergeblich danach - obwohl selbige hier oft wirklich angebracht wären.
Gut gestärkt und die Kinder weich gebettet beschließen wir den Abend am prasselnden Kaminfeuer mit einer Runde Stadt-Land-Fluß.
Mehr oder weniger ausgeruht - Ronja und Jona zappeln in dieser Nacht erheblich weniger - bekommen wir am Nächsten Morgen im Hause der deutschen Familie ein ausgiebiges Frühstück. Ronja und Jona bekommen sogar jeder ein Ei aus dem eigenen Hühnerstall - leider nicht selbstgesucht, da die Hühner ihre Eier an diesem Tag zu gut versteckt haben - , während die Kinder und Eltern unserer Aussiedlerfamilie sich zur Schule im fernen Pucón aufmachen, wo die ganze Familie dann auch außerhalb der Hauptsaison die Woche über in einer gemieteten Wohnung lebt. Täglich eine Stunde Schulweg mit dem Auto über holperige Straßen ist dann doch zu viel für die Familie, so dass sie sich vor einiger Zeit schweren Herzens dazu entschlossen hat zusätzlich zum idyllischen selbstgebauten Urwaldhaus eine Wohnung in Pucón anzumieten.
Mit uns bleiben nur die Tiere und Torsten, ehemaliger Praktikant und inzwischen häufig Mitarbeiter auf Kost- und Logisbasis, zurück. Er hilft uns noch beim Einräumen der Koffer in das Taxi. Zum Glück hatte unser Vermieter es Tags zuvor direkt im Dorf persönlich bestellt, das Telefon - es läuft nicht über Kabel, sondern ist eine ominöse Funkverbindung mit dem nächsten Dorf - funktioniert an diesem Morgen, wie so oft, nicht. Es kommt zwar eine Verbindung zustande, doch verstehen können sich die Kommunikationspartner ob der schlechten Qualität selbiger nicht. Es rauscht einfach mal wieder zu stark in der “Leitung”.
Auf dem Weg zum Busbahnhof hält der Taxifahrer noch schnell bei einem Supermarkt, wo Martin aus dem Auto springt, um schnell noch Windeln einzukaufen - auch davon hatten wir nicht genug mit und Jona ist schon seit dem Morgen ohne unterwegs. Für diesen Service berechnet der Taxifahrer am Ende der Fahrt gerade einmal 100 Peso mehr als auf dem Hinweg, das entspricht nicht einmal 15 Eurocent.
Der Rückweg im Bus mit erneutem Zwischenstopp in Temuco verläuft ruhig und es passiert nichts mehr, was wirklich erwähnenswert wäre - bis auf die eigentümliche Art, wie die Bauern hier die Stoppelfelder von den Stoppeln befreien: Sie werden nicht etwa untergepflügt, nein, sie werden einfach angezündet und mehr oder weniger kontrolliert abgebrannt.
In Los Angeles angekommen wird mit dem Taxifahrer noch schnell über den Fahrpreis zur Wunschadresse verhandelt. Es ist schon dunkel, als wir müde, aber voller neuer Eindrücke in die heimischen Kissen sinken.